PlanetQuest: Die Geschichte der Astronomie
Machu Picchu
Hintergrund:
Umgeben von den Anden und dem modernen Peru, hoch über der Talenge des
Urubama-Flusses, liegt eine der bemerkenswertesten Städte längst
vergangener Zeiten: Machu Picchu.
Machu Picchu war ursprünglich Teil des riesigen Inkareiches. Aus seiner
entlegenen Lage lässt sich allerdings schliessen, dass die Stadt keine
militärische Verwendung fand. Die Stadt, welche im 15. Jahrhundert n.
Chr. von einem Inkaherrscher erbaut worden war, beherbergte rund 1200 Einwohner,
welche mit Hilfe ausgeklügelter Abstufungsverfahren ihren Bedarf an landwirtschaftlichen
Erzeugnissen decken konnten.
Für Archäologen ist diese Stätte heute von besonderer Bedeutung,
seit herausgefunden wurde, dass sie anscheinend nicht von den spanischen Eroberern
heimgesucht wurde und deshalb Elemente der Architektur und Kultur der Inkas
erhalten sind, die in anderen Städten zerstört wurden.
Astronomische Bedeutung:
In Machu Picchu gibt es mindestens zwei Bauten, die von astronomischer Bedeutung
gewesen sein könnten. Die erste ist eine Steinsäule, welche die
Inkas "Intihuatana" ("zum Binden der Sonne") nannten.
Diese Säule kann mit der Wintersonnenwende in Verbindung gebracht werden.
Warum ausgerechnet die Wintersonnenwende? Nun, für jene Leute, welche
die Unabwendbarkeit von himmlischen Ereignissen nicht begriffen, war die Zeit
bis zur Wintersonnenwende eine Zeit der Ungewissheit. Die Sonne stand immer
niedriger am Himmel und zeigte sich jeden Tag immer weniger lang. Würde
sie eines Tages für immer verschwinden?
Verschiedene Kulturen hatten Zeremonien, welche sie in der Zeit vor der
Wintersonnenwende durchführten, um die Sonne davon zu überzeugen,
wieder einen hohen Platz am Himmel einzunehmen. Manche nehmen an, dass das
Ziel der Zeremonie darin bestanden habe, die Sonne an den Intihuatana zu "binden",
damit sie nicht für immer verschwinden würde. Andere Städte
der Inkas, von denen bekannt ist, dass sie auch Intihuatanas gehabt haben,
wurden im 16. Jahrhundert von den Spaniern zerstört. Dieses jedoch steht
nach wie vor in Machu Picchu - ein Monument, mit dem die Menschheit möglicherweise
schon in frühen Zeiten den Kosmos zu verstehen versuchte.
Die
zweite Konstruktion, welche von astronomischem Interesse ist, ist ein als
Torreon bezeichneter Raum, der möglicherweise ein einfaches Observatorium
gewesen sein könnte. Er umfasst einen Altar aus Naturstein, welcher von
einer schön gestalteten, spiralförmigen Wand mit Fenster verschiedenster
Formen und Grössen umschlossen wird. Diese Fenster scheinen absichtlich
so platziert worden zu sein, um den Blick auf besondere astronomische Ereignisse
und Körper zu gewährleisten. Beispielsweise kann man, vom Steinaltar aus gesehen,
in einem nach Südosten gerrichteten Fenster den Aufgang der Andenkonstellation
Collca beobachten, während einem ein nach Nordosten gerichteten Fenster den
Blick auf die aufgehenden Pleiaden
gewährt. Sowohl von den Pleiaden, als auch von Collca ist bekannt, dass sie
eine wichtige Rolle im der Kultur der Inkas gespielt haben. Das nach Nordosten
gerrichtete Fenster kann auch benutzt werden, um den Tag der Sommersonnenwende
zu bestimmen.
Die Auffassungsweisen des Intihuatanas und des Torreons
bleiben umstritten. Aber ungeachtet der Richtigkeit dieser Einzelheiten besteht
kein Zweifel, dass die Erbauer von Machu Picchu die Astronomie wenigstens
in Teilen des Entwurfs vorgesehen hatten.
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Quellenangaben:
Krupp, E.C., Echoes of the Ancient Skies: The Astronomy of Lost Civilizations, Harper & Row, New York, 1983.
"Machu Picchu" im Museum
der Staatsuniversität in Minesota
(http://www.mnsu.edu/emuseum)
Andere nützliche Verweise:
Bilder von Machu Picchu
Satellitenaufnahmen
Alle Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt. © Clive Ruggles, University von Leicester.
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